Mein Kind hat ein Tablet, na und?

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Der Titel für diesen Beitrag schwirrte mir nun schon seit Wochen im Kopf rum und ich habe mir förmlich die Hände gerieben bei dem Gedanken „Pah! Mein Kind hat ein Tablet, na und?“

Doch je länger ich mich mit diesem Thema beschäftigte desto mehr würde ich diesen Titel doch entschärfen wollen. Gut, ich gebe es offen zu, ich verdreh hin und wieder innerlich (und wenn mir keiner zuschaut auch ganz offensichtlich) die Augen wenn ich wieder diese Experten höre von wegen: „Hach wie schädlich fürs Kind, hach die Konzentration, hach der Verlust zur Realität und überhaupt, früher sind wir ja auch ohne Smartphones, Tablets und Co. groß geworden“ etc.p.p. .

Eine andere Zeit

Ja, richtig! Wir sind auch groß geworden und auch wir hatten „hach“ was weiß ich für schädliche Sachen in der Kindheit. Den Gameboy z.B. oder den Walkman der das Gehör schädigt, der Amiga 500 (wer kann sich daran noch erinnern).

Und dennoch leben wir in einer ganz anderen Zeit. Bereits 2008 hatten 90% der Kinder in Deutschland, zwischen 12 und 13 Jahren, ein Handy und die Zahl ist seitdem nur geringfügig gestiegen.

Jetzt frag ich mich natürlich schon wie es sein kann dass permanent und überall davon gesprochen wird dass Kinder so spät wie möglich mit einem eigenen Smartphone in Berührung kommen sollen und andererseits 90% der Kinder bereits ein solches besitzen?

Da stimmt doch was nicht oder nehmen wir die „Gefahr“ die von Smartphones & Co. ausgehen als Eltern nicht ernst? Oder mag es vielleicht sogar daran liegen dass es sich mit der Realität nicht ganz vereinbaren lässt?

Ich kann diese Frage nur mit meinen eigenen Erfahrungswerten beantworten.

Unser multimedialer Alltag als Familie

Unser Junge ist 7,5 Jahre alt und geht in die 1.Grundschulklasse.

Nachmittags, unter der Woche, stehen Dinge wie Sport, Musik und Pfadfinder auf dem Programm. Hin und wieder werden Freunde besucht oder Freunde kommen vorbei.

Wir können uns nicht beklagen, wir haben natürlich einen ganz tollen Jungen! Auch in der Schule :-)

Und auf der anderen Seite stehen wir Eltern. Beide berufstätig und berufsbedingt viel am Computer, Smartphone, Tablet & Co. unterwegs. Ich glaube bei uns zu Hause ist so ungefähr alles an elektronischen Geräten vorhanden die es im Moment so zu kaufen gibt (außer einer Smartwatch… aber das ist einen anderen Blog-Beitrag wert). Wir sind aber auch alle zusammen sehr technikaffin und interessieren uns nicht nur dafür sondern sehen auch den Nutzen den wir daraus ziehen.

Hier mal schnell bei chefkoch.de nach einem Rezept geschaut. Dort in Google Maps geschaut wo es in der Nähe ein gutes Restaurant gibt. Schnell noch einen Kommentar in Facebook hinterlassen und auf Instagram ein Bild hochladen. Während ich als Frau eher verschiedene Portale nutze und auch soziale Medien bediene, sitzt mein Mann vor dem Rechner und recherchiert was es neues an Grills, Rasenmäher usw. gibt, treibt sich in Foren rum. Schaut nach den günstigsten Angeboten und wenn das Abendprogramm ganz furchtbar langweilig ist kann es schon mal sein dass er wie wild auf seinem Smartphone rumwischt weil er so schnell wie möglich durchfliegendes Obst mit einem Säbel teilen muss.

Und was macht unser Kind? Er sitzt vor seinem Tablet (dass er zum ersten Schultag bekommen hat) spielt, liest am Ebook-Reader und schaut sich Youtube Videos an. Wobei wir ihm letzteres vor kurzem gesperrt haben, nachdem selbst uns die Videos, die er sich da angeschaut hat, nicht wirklich kindgerecht erschienen.

Ihr seht schon. Wir machen als Familie digital das volle Programm und wir müssten uns im Grunde schämen für das was wir unserem Kind antun. Und doch stehen wir voll und ganz hinter dem wie wir es machen und warum wir es genauso machen.

Ganz einfach nur pragmatisch

Alles fing damit an das unser Kind die elterlichen mobilen Geräte okkupierte und der Wunsch nach einem eigenen Gerät zum spielen, immer stärker wurde (nicht nur bei unserem Kind…).

Ein Nintendo stand als Möglichkeit im Raum. Kosten und Nutzen kurz abgewogen, hat uns dann doch dazu entschlossen uns für ein Tablet zu entscheiden. Viele kostenlose Spiele und man kann damit doch viel mehr machen als mit einem Nintendo. Also eine ganz pragmatische Entscheidung.

Regeln müssen sein – Unsere elterliche Verantwortung

Trotz der Offenheit gegenüber der neuen Technologien sind wir natürlich nicht ganz blind ob der Gefahr, die von diesen kleinen Geräten ausgeht und natürlich hatten wir nicht vor unser Kind bedingungslos und unkontrolliert an das Gerät zu lassen. Obwohl ich gestehen muss dass ich mir zu Anfang doch etwas Sorgen gemacht habe. Hätte ja auch gut sein können dass unser Kind sagt: „Ist meins! Und ich kann jetzt damit tun so viel und so lange ich es möchte!“. Zum Glück ist er noch in einem Alter in dem man noch auf seine Eltern hört.

Und doch gibt es ein paar Regeln die wir aufgestellt haben um das Miteinander so angenehm wie möglich zu gestalten und unserer elterlichen Verantwortung nach zu kommen:

  1. Die Computer-Karten
    Einmal in der Woche, zusammen mit seinem Taschengeld, bekommt er 7 Computer-Karten. Jede Computer-Karte ist 30min wert und es können maximal zwei Computer-Karten pro Tag eingesetzt werden. Wenn dann mal zwei eingesetzt werden, müssen zwischen den Karten mind. eine halbe Stunde Freispielzeit liegen.
  2. Freunde
    Wenn Freunde zu Besuch sind oder unser Kind zu Besuch ist, bleibt das Tablet aus.
  3. Räumlich begrenzt
    Das Tablet wird nur in unserem gemeinsamen Wohnraum (nicht Kinderzimmer) bespielt
  4. Spiele
    Es werden maximal einmal in der Woche neue Spiele runtergeladen und erst dann wenn wir es vorher „freigegeben“ haben
  5. Auswärts
    Wenn wir unterwegs sind bleibt das Tablet zu Hause (ausser wir sind bei der Oma…)

Kombiniert wird das Ganze noch mit „Zuckerl“

  1. Jede Lese-Minute (Print oder eBook am Tablet) kann in Fernseh-Minuten umgewandelt werden, denn unter der Woche gibt es, ausser das Sandmännchen und dass was danach mit 20min folgt, kein Fernsehen.
  2. Wir haben eine Smiley-Belohnungs-Tafel und hat er am Ende zwei Computer-Karten übrig darf er einen Smiley malen, bei vier Computer-Karten sogar zwei Smileys. Mit den Smileys kann er sich im übrigen Ausflüge (Klettern, Kino, Erdinger Therme usw.) verdienen.

Fazit

Es gibt kein richtig oder falsch und jeder kann es mit dem „ab wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Tablet/Smartphone“ halten wie er es für sich und sein Kind für richtig hält.

Ich denke solange man sein Kind gut beobachtet, es Hobbys nachgeht die sich nicht vorm Tablet abspielen, Freunde hat, in der Schule gut mitkommt und auch sonst kein auffälliges Verhalten an den Tag legt was Rückschlüsse auf ein Suchtverhalten geben könnte, sehe ich keinen Grund meinem Kind ein Tablet zu verbieten (ob es ein eigenes sein muss, sei dahin gestellt…).

Ganz im Gegenteil. Es gehört für uns zum täglichen Umgang, zu unserem Alltag und warum sollte ich mich als Eltern medial kasteien und mit Zwang versuchen meinem Kind ein gutes Vorbild zu sein, wenn es doch überhaupt nicht zu uns passt. Soll ich mich denn regelmäßig in dunkle Ecken verkriechen oder mich in der Toilette einsperren, nur um mal meine Emails zu checken?

So, und nun bin ich gespannt was ich mit diesem Beitrag anstoße…

Veröffentlicht von: Marjeta Prah-Moses

Seit 2009 selbständig, ist Wordpress nun seit über sieben Jahren meine Leidenschaft. Von Entrepreneure, über Grafiker, bis zu den kleinen, mittelständischen Unternehmen, unterstütze ich alle die sich auf den Weg zur eigenen Website machen.

Categories: Mein Kind im Netz

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